Dr. Hans Schingen 

Zuchtstand im Jubiläumsjahr 2021

Eine kurze Rückschau auf die Rasseentwicklung der letzten Jahrzehnte ist nötig, um das gegenwärtig Erreichte besser zu verstehen und verdeutlichen zu können. Nach dem 2. Weltkrieg war die Rasse fast vernichtet, nur wenige Tiere überlebten das Inferno des Krieges und die schweren Jahre danach. Durch Sammeln der Reste und geeignete Einkreuzungen galt es, Vitalität, Vermehrungsfähigkeit und Rassetyp zu verbessern. Schon vor dem Krieg fehlten einem Großteil der Tiere Größe, Standhöhe und ausgeprägte Linienführung. Besonders in den dreißiger Jahren wurde viel Wert auf Schmalheit, Eleganz und Puppenhaftigkeit gelegt, wodurch Größe und Vorderlänge verloren gegangen waren. Jakob Kern gelang es nach dem Krieg in wenigen Jahren Tiere in einer Qualität zu zeigen, die den Tieren der Vorkriegsjahre deutlich überlegen waren. 

          Glücklicherweise kam es in all den Jahren zu keiner Standardänderung, die Ziele blieben immer die Gleichen: Hoch, aufrecht, ausgeprägte Dreibogenlinie. Lediglich die Gewichtung der einzelnen Merkmale wurde eindeutiger, die Prioritäten wurden ganz auf figürliche Forderungen verlagert. Figur, Figur und nochmals Figur forderte Jakob Kern in den früheren 50-er Jahren. Neben der anzustrebenden Mindestgröße, wurde zunehmend Wert auf korrekte Beinstellung, aufgerichtete Körperhaltung, markante Dreibogenlinie und gut gekreuzte Schwingen gelegt. Das Blaswerk wurde immer mit kugelförmig definiert, ohne dass das Ziel auf breiter Basis erreicht wurde. Der Wunsch nach sehr langer Halspartie ist auch heute schwierig mit einer perfekten Kugel zu vereinen. Blaswerkrundungen wie bei Norwich- oder Brünnerkröpfern werden kaum zu verwirklichen sein. Ein Blaswerk mit ausgeprägter Schnürung, guter seitlicher Rundung und etwas gerundetem Nacken, ist wohl auch für hohe Noten ausreichend. Auch aus Gründen von Vitalität, Nachzuchtleistung und allgemeiner Gesundheit sind überdimensionierte Blaswerke unerwünscht und sollten nicht angestrebt werden.

          Die figürlichen Feinheiten konnten in den letzten Jahren deutlich verbessert werden. Die Körper wurden schlanker, die Schnürung markanter und der Typ insgesamt kantiger. Die Verbesserung in der Flügellage ist auffällig, schmalere Fügelschilder und deutliches Flügelkreuzen sind Voraussetzung für hohe Noten. Viel Wert wurde in den letzten Jahren auf eine korrekte Beinstellung gelegt, da sie Grundvoraussetzung für eine ungezwungene Bewegung, für eine gute Befruchtung und für eine aufrechte Körperhaltung ist. Viele Tiere, und es gibt sie in allen Farbenschlägen, nähern sich in ihrer Gesamtausstrahlung immer mehr den Standardvorstellungen an. Um diesen Stand zu halten, ist die volle Konzentration auf die figürlichen Belange nötig. Alle Nebensächlichkeiten sollten nicht vordergründig betrachtet werden! 

Jacobin waren bis ca. 1900 in Frankreich und Deutschland als Farbenschläge vertreten. Sie verschwanden, als die großen Vorbilder, die Englischen Kröpfer, immer dominanter in der Züchterwelt wurden. Unser unvergessene Freund Wolfgang Schreiber hat leidenschaftlich für ein Wiederaufleben dieser ursprünglichen Variante geworben. Er stellte die Weichen, sorgte für die Aufnahme in den Europastandard und stellte erste Zuchtergebnisse vor. Das Erreichen des Ziels war ihm nicht mehr vergönnt, aber die Bemühungen werden fortgesetzt. Erste Jacobin auf Ausstellungen zeigten Andreas Bärwald und Hans Schingen. Bis eine korrekte Zeichnung und ein perfekter Franzosentyp erreicht werden, ist noch viel Züchterarbeit nötig.

          Im Folgenden werden nur die geherzten Farbenschläge und die Weißen einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Die Weißen waren zeitweise der am meisten verbreitete Farbenschlag. Johann Gubo verbesserte in den 90-er Jahren Größe, Haltung und Blasvermögen. Die gewünschte Flügellage und markante Linienführung ließen damals einige Wünsche offen. Durch massive Einkreuzung bester Rotgeherzter konnte Udo Grossek den Typ verbessern, was ihm prompt 1996 die Erringung des „Goldenen Siegerrings“ eintrug. Nach der Jahrtausendwende war Christoph Taubert oft alleiniger Aussteller und immer mit beachtlichen Tierzahlen. Momentan steht ihm vor allem Uwe Weiß zur Seite, so dass zuletzt zur HSS 25 bis 30 Weiße gezeigt wurden. Die Weißen haben eine ausgezeichnete Größe, aufrechte Haltung und hohe Ständer. In allen Jahren wurden hochrassige Vertreter auf den Sonderschauen präsentiert und viele hohen Noten, gekrönt von den Championaten 2011 und 2017 durch Christoph Taubert, sprechen für die Qualität. Die Ausgeglichenheit der Kollektionen, wie wir sie beispielsweise bei den Gelben sehen, ist jedoch nicht gegeben. Viele könnten markanter in der Schnürung, deutlicher im Schenkelbogen und gekreuzter in den Schwingen sein. Die Bemühungen, die bestehenden Defizite mit Hilfe bester Roter zu beseitigen, zeigen erste Erfolge. Wichtig ist die mutige Weiterverfolgung des eingeschlagenen Weges.

Die Schwarzen waren einst führender Farbenschlag und konnten einige Jahre auch in beachtlicher Stückzahl gezeigt werden. Jakob Kern beschreibt sie Anfang der 50-er Jahre als die Zartesten, die in der Gesamtgröße durchaus zulegen könnten, was besonders die Täubinnen betrifft. Dieser Zustand war noch bis Ende der 90-er Jahre zu beobachten. Leider folgte dann eine drastische Abnahme der Aussteller und Tierzahlen. In den letzten 15 Jahren stellte oft nur der Autor des Beitrages acht oder zehn Tiere, manchmal flankiert von Einzeltieren anderer Austeller. Heute haben die Schwarzen keine Größennachteile, konnten auch qualitativ zu den führenden Farben aufschließen. Wünsche nach besserer Flügellage und markanterer Schnürung konnten mit Hilfe bester Blauer verbessert werden. 

Hauptziel muss die Verbreitung der Zuchtbasis sein. Trotz Abgabe vieler Tiere nach Österreich und Frankreich, konnten dort keine zukunftsträchtigen Zuchten aufgebaut werden. Die Mitstreiter im SV konnten bisher nicht die erhofften Erfolge erzielen. Möglicherweise sind die Ansprüche an eine intensive Farbe und die Zeichnungsanforderungen gerade bei den Schwarzen zusätzliche Hürden, die das Bereitstellen von Ausstellungstieren erschweren. Die Verwendung anderer Farbenschläge ist möglich, besonders geeignet sind Dunkle.

Die Roten sind unser am besten verbreitete Farbenschlag. Regelmäßig messen sich mehr als 50 Vertreter auf der HSS. Auch qualitativ sind sie seit vielen Jahren führend. Vor allem Klaus Cleres ist für die geschaffene Qualität verantwortlich. In Weiterführung der Cleres-Zucht konnten Karlheinz Hartmann und Uwe Weiß in den letzten Jahren den Zuchtstand sichern. Mitstreiter sind Hans-Werner Heuser, Hartmut Buchler und Sven Schweder, die ebenfalls mit ausgezeichneten Tieren die Schauen bereicherten. Pluspunkte der Roten sind eine ausgezeichnete Dreibogenlinie mit starker Schnürung und Brustbeinmarkanz. Die Flügellage ist bei manchen verbesserungswürdig. Auf die nötige Größe mit langem Brustbein muss vor allem bei den Täubinnen geachtet werden. Lang und schlank sollen sie sein, dazu aufrecht und temperamentvoll. Farblich sind die Roten weniger anspruchsvoll. Farbige Schenkel wirken nicht so störend, wie bei den Schwarzen. Tiere mit Hämmerung können als eigenständiger Farbenschlag gestellt werden. Viel Wert wurde früher auf helle Schwänze (irrtümlich als Weiß beschrieben) gelegt. Heute sind wir wesentlich toleranter, da die Schwanzfarbe fahl ist. Da gibt es verschiedene Nuancen in der Farbausprägung, die nicht qualitätsbestimmend sind. 

Die Gelben waren bis Anfang der neunziger Jahre nicht sehr verbreitet. Dann gewannen sie deutlich an Beliebtheit und waren zeitweise der Farbenschlag mit den meisten Tieren, so standen 2000 in Nürnberg 52 Gelbe. Leider sind die Zahlen in den letzten Jahren wieder rückläufig. Einige Züchter wechselten den Farbenschlag oder mussten aus Altersgründen die Zucht aufgeben (Huhn, Bierwag, Cleres). Dabei hatte gerade Klaus Cleres in den letzten 10 Jahren für einen gewaltigen Qualitätszuwachs gesorgt, der sogar zur Überflügelung der Roten führte. Durch die Beendigung dieser Zucht, konnten zuletzt Hans-Werner Heuser, Karlheinz Hartmann und Hans Schingen mit Cleres-Nachzuchttieren an die Erfolge anknüpfen. Die Gelben wirken auf den Ausstellungen sehr ausgeglichen mit vorzüglichem Stand, aufgerichteter Haltung und bestem Wesen. Wünsche nach markanterer Schnürung und deutlicher gekreuzten Schwingen sind häufiger angebracht. Das Bestreben nach schmalen Körpern und schlanker Erscheinung, darf die Vorderlänge und Blaswerkfülle nicht reduzieren. Auch Jungtäubinnen müssen eine Gesamtlänge von 42 cm erreichen. Der Einsatz großer Täubinnen beugt einem Größenverlust vor. Eleganz und Größe miteinander zu verbinden ist die eigentliche Herausforderung. Größe ersetzt nicht die korrekte Beinstellung, Haltung und Dreibogenlinie, die natürlich für hohe Noten erforderlich sind.

Die Blauen waren zu Jakob Kerns Zeiten der Inbegriff des rassigen Franzosen, der Vorsprung zu den anderen Farben war erheblich. Leider wurde die Zucht nach dem frühen Tod 1981 in alle Winde zerstreut. Nur wenige konnten die Qualität halbwegs halten (Adolf Brauchle, Heinz Holl), andere opferten in wenigen Jahren den Zuchtstand durch Verfolgung falscher Zuchtziele. Bemerkenswert war, dass nach der Wende die Tiere aus dem Osten rassiger erschienen (Ralf Neumann, Ursula Weithase), als die Nachfahren der Kern-Zucht. Seitdem gibt es ein ständiges Auf und Ab, sowohl in den Beschickungszahlen als auch in der qualitativen Ausprägung. In den letzten Jahren überzeugte Heinz Holl beständig mit hervorragenden Täubern, während den Täubinnen oft mehr Vorderlänge und Linienführung zu wünschen war. Da Heinz Holl altersbedingt nur noch regional ausstellt, ist das Bild auf den Hauptsonderschauen sehr uneinheitlich, mit zu wechselhafter Qualität. Genauso wechselhaft sind die Namen derer, die zuletzt zu höheren Noten kamen (Jörg Menge, Stephan Kretschmer, Otto Süßmilch, Julian Dankert, Reiner Weiß). Größe, Blasvermögen und Brustbeinmarkanz sind durchaus vorhanden. Probleme bereiten die korrekte, parallele Beinstellung, die hochaufgerichtete, gerade abfallende Haltung und auch die markante Flügellage. Wünschenswert ist eine stärkere Konzentration einiger Züchter auf diesen Farbenschlag, um das Vorstellen größerer Kollektionen möglich zu machen.

In Frankreich hat Philippe Hudry eine hervorragende Zucht blauer Franzosen entwickelt, die qualitativ den Tieren deutscher Zuchten überlegen ist.  Schlanke Körper, aufrechte Haltung, markante Dreibogenlinie zeichnen sie aus. Eindrucksvoll konnte er seine führende Stellung während der HSS 2016 in Nürnberg und zu den Europaschauen unter Beweis stellen.

Die Blaugehämmerten sind seit Langem als eigenständiger Farbenschlag anerkannt, aber auch von großen Schwankungen in der Tierzahl betroffen. Während man sie früher eher selten sah, hatten sich später Peter Wascher und Otto Süßmilch auf Blaugehämmerte spezialisiert und Erfolge blieben nicht aus. Wir konnten hervorragende Tiere bewundern, mit langen Vorderpartien, markanter Dreibogenlinie und sehr guter Hämmerung. Leider sind in den letzten Jahren ähnliche Probleme wie bei den Blauen erkennbar. Korrektere Beinstellung und aufrechtere Haltung mussten gefordert werden, teilweise auch kürzere Hinterpartie. Gegenwärtig sehen wir Einzeltiere mehrerer Züchter, die ihre Zufallsprodukte vorstellen. Es sind immer wieder Spitzentiere dabei, das Qualitätsgefälle aber relativ hoch. Die Hämmerungsverteilung könnte oft aufgehellter wirken, eine zu dunkle Hämmerung ist wegen der Differenzierung zu den Dunklen, unerwünscht. Züchter, die sich konzentriert der Gehämmerten annehmen werden gesucht.

Die Dunklen waren in der DDR anerkannt und in sehr guter Qualität vorhanden. Sie wurden in den SV-Standard übernommen, stießen aber nicht auf großes Interesse. Einige Züchter aus dem Osten hatten infolge der Wendeturbulenzen die Zucht aufgegeben. So waren es Bernd und Sven Schweder, die die Dunklen zu neuer Blüte verhalfen. Anfangs waren sie zwar groß, aber stark im Körper mit zu wenig Schnürung und Eleganz. In den letzten Jahren sahen wir überragende Exemplare, die keinerlei Defizite zu den führenden Farbenschlägen aufwiesen. An der Ausgeglichenheit ist zu arbeiten. Vor allem vielen Jungtieren fehlten zuletzt Blasbereitschaft, Vorderlänge und aufrechte Haltung, sie müssen sich besser zeigen. Farblich ist zu beachten, dass sie möglichst wenig Hämmerung zeigen, während Brauntöne (Bronze) im Flügelschild erlaubt und nicht zu strafen sind. Die Bronzetöne im Flügelschild sind Lackfaktoren, die sich als sehr vorteilhaft bei Verpaarungen mit Schwarzen und Roten erweisen. Als Partner für Gehämmerte sind sie weniger geeignet, da Dunkel über Gehämmert dominiert und die Brauntöne bei Gehämmerten unerwünscht sind. Zuletzt waren Sven Schweder und Reiner Briesning für die Spitzentiere verantwortlich.

Die Blaufahlen waren früher eher selten, später ein Spiegelbild der Blauen. Vor der Jahrtausendwende hatten Klaus Cleres und Adolf Brauchle hervorragende Rassevertreter. Später überzeugten die Tiere von Heinz Holl und Christoph Taubert. Die Klasse früherer Jahre haben sie gegenwärtig nicht, zu groß ist die Unausgeglichenheit. Es fehlt Käfigpräsenz, Blasfreude, auch Hals- und Vorderlänge. In der Haltung sowie zumeist auch in der Brustbeinmarkanz und Flügellage sind sie zumeist rassetypisch. Momentan werden sie nur von Andreas Bärwald und Jörg Menge vorgestellt. Als natürliche Partner können die Blauen, aber auch die anderen Bindigen hilfreich sein.   

Die Rotfahlen gehören zu den ursprünglichen Farben, die schon 1899 gezeigt wurden. Größere Verbreitung erlangten sie in der Neuzeit mit zeitweise beachtlichen Kollektionen. Nach der Jahrtausendwende waren es Adolf Brauchle und Jürgen Stiller, die allerbeste Rotfahle zeigten. Später übernahmen Hans-Werner Heuser, Christoph Taubert, Jörg Menge und Achim Rapsch diese Rolle. Die zwei zuletzt genannten sind gegenwärtig alleinig mit diesem Farbenschlag beschäftigt. Die Qualität schwankt stark. Es gab immer überragende Einzeltiere, wie der Täuber von Heinz Holl, der 2009 das Championat errang. Später überzeugten Tiere von Jörg Menge und Andreas Bärwald. Viele waren aber auch problembehaftet mit langer Hinterpartie, wenig Schnürung und waagerechter Haltung. Auch wenig Vorderlänge und fehlende Blasbereitschaft mussten gerügt werden. Die Zuhilfenahme anderer Farben (rot, blau) sollte in Erwägung gezogen werden.

Die Gelbfahlen erwecken aufgrund der aparten Färbung schon lange das Interesse der Züchter. Klaus Cleres hatte schon in den 70-er Jahren ganz hervorragende Rassevertreter. Auch Udo Grossek, Hans-Werner Heuser, Jürgen Stiller und Christoph Taubert waren mit Gelbfahlen erfolgreich. Gegenwärtig bemüht sich vor allem Jörg Menge um diese Farbe und war zuletzt fast im Alleingang überragend. Größe, Blasvermögen und Beinstellung sind zumeist ohne Tadel. Leider waren es immer nur wenige Jungtiere, die für ausstellungswürdig erachtet wurden. Wünsche, die sich immer wieder auf den Bewertungskarten finden sind: Mehr Schnürung und Brustbeinmarkanz, stärkeres Kreuzen und weniger Blauanteile in der Grundfarbe.  Züchterische Verstärkung ist wünschenswert, Stephan Kretschmer will sich dem stellen.      

Blaufahlgehämmerte sind erst seit 2016 anerkannt. Zuvor wurden immer wieder mal einige in der AOC-Klasse gezeigt. Die gegenwärtig Vorhandenen zeigen einen guten Rassetyp und sind den Blaufahlen sogar überlegen. Sicher werden es nur wenige sein, die künftig auf den Schauen erscheinen. Ein aufgelockertes Hämmerungsbild erhöht die Attraktivität des Erscheinungsbildes. Blaufahldunkelgehämmerte sind nicht anerkannt.

Rotfahlgehämmerte sind auch erst seit 2016 anerkannt. Sie haben einen guten Rassetyp, entstammen ja auch der Verpaarung roter mit blaufarbigen Partnern. Eine deutlich ausgeprägte Hämmerung ist anzustreben. Etwas mehr Kantigkeit und Schnürung ist manchen zu wünschen. Zuletzt waren die Tiere von Andreas Bärwald erfolgreich.

Gelbfahlgehämmerte wurden bisher auf Sonderschauen nicht gezeigt.

Dunfarbene Französische Kröpfer hat es nach Kreuzungen sicher immer mal gegeben. Über den Europastandard erhielten sie nun den Anerkennungsstatus. Als verdünnte Schwarze sind sie nur in der Schwarzzucht zu erwarten, wenn der Verdünnungsfaktor in die Zucht eingefügt wird. Die wenigen Gezeigten standen qualitätsmäßig auf dem Niveau der Schwarzen. Eine Zucht, die gezielt Dunfarbige kultiviert, ist nicht bekannt.

Allen Züchtern, die Jahr für Jahr mit großem Aufwand die züchterischen Herausforderungen meistern, die die Qualitätsverbesserung vorantreiben und die der Rassenverbreitung dienen, ist herzlich zu danken. In der Gemeinschaft des Sondervereins lassen sich Schwierigkeiten am besten bewältigen. Wir sollten uns bewusst sein, dass wir das seit 500 Jahren Geschaffene bewahren und so eine große Verantwortung übernommen haben. 

Aussteller der HSS 2017 in Thurnau

Christoph Taubert

100 Jahre Sonderverein der Züchter Französischer Kropftauben von 1921 

 

Französische Kröpfer in Deutschland

Im Jahr 1860 gelangte der Typ des Oplopers aus dem nordfranzösisch-flämischen Raum nach Deutschland, wo er aufgrund seiner extremen figürlichen Eigenschaften und seines lebhaften Wesens viel Aufmerksamkeit erregte.1868 unter Robert Oettel erstmals in Dresden gezeigt, fand diese Rasse viel Zuspruch und verbreitete sich vor allem im Frankfurter sowie Wormser Raum. Zur 6. Nationalen in Berlin 1899 wurden beachtliche 78 Französische Kröpfer aus ganz Deutschland in Weiß und Geherzt präsentiert. Dieser erfreulichen Entwicklung setzte der 1. Weltkrieg ein Ende. Altgediente Züchter sammelten die wenig verbliebenen Tiere und starteten in der kargen Nachkriegszeit einen bescheidenen Neuanfang.

Die Gründung des Sondervereins

Die Resonanz auf den Aufruf zur Gründung einer "Vereinigung der Züchter des Französischen Kröpfers" war überwältigend. Und so kam es zur Gründungsversammlung 1921, aus der folgender Vorstand hervorging:

1. Vorsitzender:   Philipp Forster II                     2. Vorsitzender:  Peter Diefenbach

Schriftführer:       Richard Klein                         Rechner :            A. Scheffel 

Nach der Zeit geschuldeten Anlaufschwierigkeiten und der Übernahme des Vorsitzes durch Richard Klein belebte sich das Vereinsgeschehen, insbesondere durch die Belehrungsschauen, getragen vom hohen Sachverstand der Preisrichter. 

1931 wurde der Vorstand durch Ludwig Ronsheimer (Franzosenzüchter seit 1891) als Kassierer und Geschäftsführer erweitert. Er war die zentrale Anlaufstelle im SV-Geschehen bis er schließlich ab 1940 kriegsbedingt den Sonderverein führte, ihn über die Kriegsjahre und Nachkriegszeit brachte. Für seinen langjährigen, aufopferungsvollen Einsatz wurde er 1950 zum Ehrenvorsitzenden berufen.

Der junge Georg Pleines (erfolgreicher Züchter schwarzgeherzter Franzosen) löste 1933 den aus Altersgründen ausscheidenden Peter Diefenbach als 2. Vorsitzender ab. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges erlahmte das Vereinsleben. Züchter mussten zum Kriegsdienst, ganze Zuchten wurden ausgelöscht oder wegen Futtermangel aufgeben. Die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen nach Kriegsende trennte im Zuchtzentrum um Worms die links- von den rechtsrheinischen Züchtern. Ein Neuanfang war schwerlich und kaum vorstellbar.

Neustart nach dem 2. Weltkrieg

Nach kleineren Zusammenkünften kam es dann am 26. März 1950 im "Römer" in Worms zur Generalversammlung. Jacob Kern aus Lampertheim wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt; unterstützt von Wilhelm Dietl als sein Stellvertreter, Johann Cornelius als Kassierer und dem Beisitzer Johann Flauaus. Später verstärkte Peter Berg als Schriftführer den Vorstand. Nach dessen frühen Tod übernahm Karl Brückmann dieses Amt, das er dann 25 Jahre inne hatte.

Jacob Kern als die bedeutendste Züchterpersönlichkeit der Sondervereinsgeschichte gab der Rasse enorme Impulse und setzte den Sonderverein ins Rampenlicht, wie z.B. mit der unter seiner Leitung in Lampertheim stattgefundenen 6. VDT-Schau 1957, wo 80 Franzosen in hoher Qualität für die Rasse und seinen Sonderverein warben.

1970 stellte Jacob Kern sein Amt wegen ständiger beruflicher Auslandseinsätze zur Verfügung und wurde aufgrund seiner exorbitanten Leistungen zum Ehrenvorsitzenden gekürt. Das Amt des Vorsitzenden übernahm dann der junge aus Oberkirch im Schwarzwald stammende Gerhard Birner, der sich als hervorragender Züchter, Autor und Künstler (zahlreiche seiner Schnitzwerke und Reliefs zieren die Züchterstuben) einen Namen gemacht hat. Zum Vorstand zählten Heinrich Schellhaas (2. Vorsitzender), Johann Cornelius (Kassierer), Karl Brückmann (Schriftführer) und die Beisitzer Georg Huber (Frankreich), Wilhelm Dietl und Klaus Cleres.

Priorität in seiner knapp 20-jährigen Vereinsführung hatte die Stärkung des Vereins durch Mitgliedergewinnung, die breitere SV-Ausrichtung ins benachbarte Elsass, nach Österreich sowie die Kontaktknüpfung und -förderung zu  interessierten ostdeutschen Züchtern, nicht nur verbal, sondern auch mittels Unterstützung mit Zuchttieren, sofern sich Möglichkeiten dazu eröffneten. 

Vom Bundeszuchtausschuss auferlegte Musterbeschreibungsänderungen brachten Unruhe in den SV und behinderten die bislang gewohnte, geordnete Sondervereinsarbeit. Gerhard Birner, der für den SV und seine Mitglieder viel geleistet hat, reichte seinen Rücktritt ein. 

Am 21.05.1989 wurde ein neuer Vorstand gewählt mit:

                  Dietmar Steller 1. Vorsitzender                         Adolf Brauchle als Stellvertreter (seit 1980)

                  Klaus Cleres als Kassierer                               Hans-Werner Heuser als Schriftführer (seit 1985) 

                  H. Krug, R. Ziegler (A), Raymond Fetter (F) als Beisitzer

Gerhard Birner bekleidete 25 Jahre den Ehrenvorsitz und war immer Vorbild und moralische Instanz.

Französische Kröpfer und die SZG im Osten Deutschlands

Im Osten hatten Französische Kröpfe nach dem Krieg keine Bedeutung. Es gab nur vereinzelt Tiere und kaum Züchter, die sich dieser anspruchsvollen Rasse widmeten. Erst in den sechziger Jahren befassten sich wenige Züchter, die mit Resttieren, mit Kreuzungsversuchen sowie Einfuhren aus dem Westen des Landes sich Französische Kröpferzuchten aufbauten. Das Interesse an dieser Rasse wurde geweckt, nachdem erste Exemplare auf Ausstellungen zu sehen waren. So standen zur Kropftaubenschau in Leipzig 1974 von 4 Ausstellern 29 und 1980 von 20 Züchtern 151 Franzosen. Eine enorme Entwicklung in kurzer Zeit. Seit 1972 wurden die Züchter von der SZG Brünner Kröpfer als Interessengemeinschaft betreut, da der VKSK-Verband eine eigenständige SZG nicht genehmigte. Erst 1986 kam es dann zur Gründung der SZG Französische Kröpfer, die der VKSK wegen der Zunahme der Züchter  nicht mehr verhindern konnte.

Dem Gründungsvorstand gehörten bis zur Vereinigung mit dem Sonderverein an:

                        Obmann:       Christoph Taubert                       Stellvertreter:  Albrecht Schöne

                        Schriftführer:  Lutz Israel                                   Kassierer:       Ralf Neumann

                        Zuchtwart:      Dr. Hans Schingen

Infolge dieser Gründung stiegen die Mitgliederzahlen weiter, ein familiäres und gutes  Miteinander bildete sich im Verein heraus und die Beteiligung an den Spezialschauen erreichte beste Ergebnisse, wie z.B. 1986 zur Spezialschau (Hauptschau) in Lauchhammer, wo sich 236 Französische Kröpfer im Wettbewerb präsentierten.

Die Entwicklung des Sondervereins seit 1990

Nach der Wende und der später folgenden Vereinigung der beiden deutschen Staaten stand natürlich auch ein Zusammengehen von SZG und SV zu einem einheitlichen Vereinsgebilde auf der Tagesordnung. Das Jahr 1990 – noch von Eigenständigkeiten geprägt – wurde genutzt, den Vereinigungsprozess im Detail zu fixieren. Resultat dieser Gespräche war, dass sich die SZG zum 31.12.1990 auflöst und jedes beitrittswillige Mitglied zum 01.01.1991 in den Sonderverein eintreten kann und dort weiter als Mitglied unter Anrechnung der in der SZG absolvierten Mitgliedsjahre und erhaltenen Auszeichnungen geführt wird.  Von den 31 ehemaligen SZG-Mitgliedern sind 19 dem SV beigetreten. Der SZG- Obmann wurde zum 2. Vorsitzenden berufen und der SZG-Zuchtwart wurde Zuchtwart im Sonderverein. 

Zur Herbstversammlung 1995 mit Neuwahl des Vorstandes stellte sich der Vorsitzende Dietmar Steller nicht mehr zur Wahl. Der maßgeblich am Vereinigungsprozess beteiligte Günter Weithase aus Thüringen erklärte sich bereit; für dieses Amt zu kandidieren.

Gewählt wurden:        Vorsitzender:  Günter Weithase                    Stellvertreter: Christoph Taubert

                                    Schriftführer:  Lutz Israel                              Kassierer:       Klaus Cleres

                                    Zuchtwart:      Dr. Hans Schingen                Beisitzer:        Werner Felger und Wilfried Huhn

                                    Rasseobmann Liller Kröpfer: Johann Froschmeier

Erste Herausforderung für den neuen Vorstand war die Vorbereitung auf den Wettbewerb um den Goldenen Siegerring zur 78. Nationalen in Frankfurt 1996.  Udo Grossek erkämpfte sich mit seinen Weißen den begehrten Ring, Platz 2 ging an Klaus Cleres und Heinz Holl erreichte Rang 3 – alle drei Erringer sind über viele Jahre erfolgreiche Züchter.

Das 80-jährige Vereinsjubiläum, organisiert vom Vorsitzenden in seinem Heimatort, war mit einem ganz besonderen Festprogramm ein echter Höhepunkt und ein gelungener Beitrag, die Züchtergemeinschaft weiter zu festigen. Zur angeschlossenen JHV mit Wahl übergab Klaus Cleres nach 25 Jahren Kassenverwaltung sein Amt. Peter Wascher wurde zum neuen Kassierer gewählt.

Zur Herbsttagung 2004 mit Neuwahl des Vorstandes stand die zukünftige Gestaltung des SV-Geschehens auf der Tagesordnung. Dem neuen Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Christoph Taubert gehörten an: Lutz Israel als 2. Vorsitzender, Hans-Werner Heuser als Schriftführer, Peter Wascher als Kassierer, Dr. Hans Schingen als Zuchtwart, Didier Fabre als Koordinator für Frankreich und Werner Felger als Beisitzer. 

Im Bericht des Vorsitzenden standen zahlreiche für die Zukunft geplante organisatorische Maßnahmen, die vorgestellt und von der Versammlung beschlossen wurden wie z.B. die weitere Vertiefung der deutsch-französischen Beziehungen auf Vereinsebene mit weiteren Gemeinschaftsschauen und Züchtertreffen in beiden Ländern zu forcieren. Die Weiterführung unserer Jahresbroschüre (die erste Ausgabe – erstellt vom Redakteur Dr. Hans Schingen - war zu Ostern 2004 allen Mitgliedern zugesandt worden) fand vorbehaltlich der finanziellen Absicherung breite Zustimmung. Seitdem erscheint jährlich unser "Franzosen-Journal" in einer stetig verbesserten Qualität. Ein Dankeschön an die Redakteure Wolfgang Schreiber und Dr. Hans Schingen. Das Journal im Jubiläumsjahr – der 18. Jahrgang mit fast 100 Seiten – fokussiert die100-jährige Sondervereinsgeschichte, seine Züchterpersönlichkeiten, die Rassegeschichte und den gegenwärtigen Zuchtstand aller Farbenschläge. Es ist ein besonders wertvolles Nachschlagewerk für unsere Mitglieder und alle Interessenten.

Zur Herbstversammlung 2007 in Mommenheim wurde in das Amt des 2. Vorsitzenden Hans-Werner Heuser gewählt. Die Mitgliederzahl ist in den Jahren stetig gestiegen und  war im Wahljahr 2010 auf 48 Personen angewachsen. Nach 3 Legislaturperioden als Kassierer hat Peter Wascher sein Amt zur Verfügung gestellt und es an den gewählten Hartmut Buchler übergeben. Alle anderen Vorstände sind in ihren Funktionen bestätigt worden.

2014 ist durch das Mutterland der Europastandard im einvernehmlichen Wirken mit unserem Sonderverein erarbeitet worden und ist seitdem verbindlich für unsere Zuchtarbeit. Die Mitgliederzahl erreichte 2016 einen kurzzeitigen Höchststand mit 66 Mitgliedern, ist aber leider wegen natürlicher Abgänge und geringer Zugänge rückläufig, liegt zur Zeit aber noch leicht über der Zielmarke 60.         

Die Herbstversammlung 2019 in Oybin begann mit einer Gedenkminute für unseren  Ehrenvorsitzenden Gerhard Birner (Mitglied sei 1956) und unseren langjährigen Redakteur Wolfgang Schreiber, die Anfang des Jahres verstorben sind. An ihren Werdegang im SV und ihre Verdienste für den Verein hat der Vorsitzende nochmals erinnert. 

Nach vielen Jahren Vorstandstätigkeit in verschiedenen Funktionen, zuletzt als 2.Vorsitzender wurde Hans-Werner Heuser auf eigenen Wunsch von seiner Funktion entbunden und ihm mit der Ehrenmitgliedschaft gedankt. Uwe Weiß wurde für das Amt des 2. Vorsitzenden von der Versammlung gewählt sowie alle anderen Funktionsträger in ihren Ämtern bestätigt.

Das Jahr 2020 hat mit Ausbruch der Corona-Pandemie alle geplanten SV-Vorhaben (Züchtertreffen in Mommenheim, Sonderschauen in Leipzig, Hannover, Meyenburg) ausfallen lassen. Allen Mitgestaltern des SV-Geschehens ist herzlich für ihre Leidenschaft und Opferbereitschaft zum Wohle des Vereins und der betreuten Rasse zu danken.

Bleibt zu hoffen, dass im Jubiläumsjahr unsere geplanten Festveranstaltungen durchgeführt werden können.

 

 

 

 

SV-Meisterschaft

Ab 2004 wurde die Leistungspreisvergabe per Versammlungsbeschluss dahingehend verändert, dass künftig eine SV-Meisterschaft zur Hauptsonderschau auf sechs beste Tiere eines Ausstellers ausgetragen wird. Der Titel SV-Meister wertet den Züchterwettbewerb enorm auf und wegen des einfachen Modus, ist jeder Aussteller Bestandteil des Wettstreits. Zusätzlich wird eine Jungtiermeisterschaft auf vier beste Tiere eines Farbenschlags ausgelobt.

Als Neuerung kam ab 2004 die Ermittlung des besten Tieres der HSS hinzu. Die amtierenden Preisrichter bestimmen aus der Gesamtheit der V-Tiere den SV-Champion. Auch dieser Wettbewerb ist für die Züchter von großem Reiz, zumal der Beste aus der Gesamtheit aller Farbenschläge gewählt wird.

Nachfolgend eine Aufstellung der letzten 15 Jahre. 2010 und 2020 fanden keine Hauptsonderschauen statt. 

SV-Meister                             SV-Champion

2004   Hans Schingen                                       1,0 schwarz     Hans Schingen

2005   Ursula Weithase                                     0,1 blau           Ursula Weithase                

2006   Johann Reiter                                         1,0 blau           Heinz Holl

2007   Johann Reiter                                         0,1 rot             Johann Reiter

2008   Klaus Cleres                                           o,1 schwarz     Hans Schingen

2009   Klaus Cleres                                           1,0 rotfahl        Heinz Holl

2011   Christoph Taubert                                   1,0 weiß          Christoph Taubert   

2012   Klaus Cleres                                            0,1 gelb          Klaus Cleres                                   

2013   Hans Schingen                                        1,0 blau          Andreas Bärwald

2014   Bernd Schweder                                      1,0 rot             Wilfried Huhn

2015   Philippe Hudry                                         0,1 gelb          Karlheinz Hartmann

2016   Klaus Cleres                                            0,1 gelb          Klaus Cleres

2017   Karlheinz Hartmann                                 1,0 weiß         Christoph Taubert

2018   Hans Schingen                                         0,1 rot            Karlheinz Hartmann

2019   Hans Schingen                                        1,0 schwarz    Hans Schingen

 

Züchterpersönlichkeiten mit besonderen Verdiensten um den Sonderverein

Bereits 60 Jahre vor der Gründung waren die ersten Französischen Kröpfer nach Deutschland gekommen und in den ersten Jahrzehnten von bedeutenden Züchtern betreut und verbreitet worden. Mit der SV-Gründung stellten sich viele in den Dienst der Züchtergemeinschaft.  In Kurzportraits wollen wir an diese Züchter erinnern und ihnen für ihr Lebenswerk zum Wohle der Französischen Kröpfer danken.                           

Heinrich Kreutzer, Präsident des BDG von 1911 – 1920, war zeitlebens mit Französischen Kröpfern befasst und befand sich schon 1899 zur Nationalen in Berlin unter den erfolgreichen Austellern. In den schweren Kriegsjahren bewahrte er seinen Bestand, verlor aber einen Großteil seiner Tiere durch einen Brand zu Pfingsten 1918. Dennoch hielt er ihnen die Treue bis zu seinem Tod 1920.

Richard Klein war Gründungsmitglied des SV und ab Mitte der zwanziger Jahre übernahm er den 1. Vorsitz, den er bis Ende der dreißiger Jahre innehatte. Er war ein äußerst erfolgreicher Aussteller und Preisrichter, der höchstes Ansehen in der Züchterschaft  genoss. Er züchtete Weiße, Schwarze und Blaue und bestimmte das Zuchtniveau über viele Jahre.

Martin Schaad war einer der bekanntesten Franzosenzüchter seiner Zeit. Schon 1910 zeigte er Spitzentiere in Weiß, Schwarz und Blau, die eine enorme Größe und Rassigkeit aufwiesen. Er war Gründungsmitglied des SV und dem Vorstand eine tatkräftige Stütze. Hochgeachtet war Martin Schaad als Sonderrichter. Er war Ehrenmitglied des SV und bis zu seinem Tod 1935 gehörte er zu den aktivsten Franzosenzüchtern.

Peter Diefenbach war der Hauptinitiator zur Gründung des Sondervereins. Sein Aufruf in der Presse aktivierte viele Züchter, um den Französischen Kröpfern wieder den Platz einzuräumen, der ihnen gebührt. Bereits seit 1907 war er Preisrichter und als Verfasser von Fachbeiträgen bekannt. Er wurde langjähriger 2. Vorsitzender und Motor des Vereinsgeschehens. 1932 gab er aus Altersgründen das Amt des 2. Vorsitzenden an den jungen Georg Pleines weiter. Im SV galt er als „Vater der schwarzen Franzosen“ und wurde Ehrenmitglied. Höhepunkt seines Schaffens war die Erringung des Reichssiegertitels  1937 in Schwarz. 

Ludwig Ronsheimer war Franzosenzüchter seit 1891. Er war maßgeblich an der Gründung des Sondervereins 1921 beteiligt. Große Erfolge erzielte er mit den roten und gelben Franzosen in den zwanziger und dreißiger Jahren. Seit Gründung des Sondervereins war er 20 Jahre Geschäftsführer und während des 2. Weltkriegs übernahm er kommissarisch die SV-Führung, die er 1950 an Jakob Kern weitergab. In schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren hielt er den Verein zusammen und versuchte der Rasse bestmöglich zu dienen. Als Ehrenvorsitzender des SV und Ehrenmeister der Deutschen Rassegeflügelzucht verstarb Ludwig Ronsheimer im August 1951 im Alter von 74 Jahren.

Georg Pleines  gehörte seit 1933 zu den erfolgreichste Züchtern und konnte schon in jungen Jahren 1937 den Reichssiegertitel erringen. Vor dem Krieg war er kurzzeitig 1. Vorsitzender und dann viele Jahre bis zu seinem Tod 2. Vorsitzender.  Georg Pleines beherrschte über Jahrzehnte das Niveau des schwarzen Farbenschlags, bis zur gesundheitsbedingten Zuchtaufgabe Ende der sechziger Jahre. In der Nachkriegszeit verfasste er zahlreiche Fachartikel. Im Alter von nur 61 Jahren verstarb Georg Pleines 1971.

Jakob Kern war die bedeutendste Züchterpersönlichkeit der SV-Geschichte. Schon in jugendlichem Alter konnte er 1935 und 1936 den Reichsiegertitel auf blaue Franzosen erringen. Kriegsteilnahme und Kriegsgefangenschaft ließen ihn erst 1947 heimkehren. Französische Kröpfer gab es fast keine mehr. Mühsam wurden die Reste gesammelt, um irgendwie einen Neuanfang zu gestalten. Innerhalb weniger Jahre gelang es Jakob Kern ein nie gekanntes Qualitätsniveau zu erreichen. Zeitgleich übernahm er 1950 den Vorsitz des SV und scharte eine Reihe alter und neuer Züchter um sich. Das züchterische Können und die Vorbildfunktion Jakob Kerns, gaben der Rasse enorme Impulse. Früh legte er das Vorstandsamt in jüngere Hände und wurde 1970 Ehrenvorsitzender. Sein früher Tod 1981 mit nicht einmal 65 Jahren, riss eine nicht zu füllende Lücke.

Johann Cornelius war schon vor dem 2.Weltkrieg Franzosenzüchter und SV-Mitglied. Er züchtete vorwiegend Tiere des blauen Farbenschlags und konnte auf großartige Erfolge verweisen. Mehr als 20 Jahre war er Vorstandsmitglied und führte umsichtig das Amt des Kassierers. Im November 1974 starb er im Alter von erst 63 Jahren.

Karl Brückmann begann 1948 gemeinsam mit seinem Freund und späteren SV-Schriftführer Peter Berg die Zucht in Rot und Gelb. Nach dem frühen Tod von Peter Berg, der im Alter von 45 Jahren starb, führte er diese Zucht mit großem Erfolg bis Anfang der achtziger Jahre fort. Besondere Erfolge konnte er mit seinen Roten erreichen. Karl Brückmann war viele Jahre Vorstandsmitglied und Schriftführer über mehr als 25 Jahre. Als Ehrenmitglied  des SV und Meister der Rassegeflügelzüchter von Hessen/Nassau verstarb Karl Brückmann 1986.

Adolf Brauchle kam Anfang der 60-er Jahre zur Franzosenzucht. Mit einem großen Tierbestand widmete er sich vor allem den Blauen, Rotfahlen und Weißen. Bestens in den SV eingebunden und viele Jahre als 2. Vorsitzender, konnte er 1981 Tiere des verstorbenen Jakob Kern übernehmen. Über viele Jahre bewahrte er seiner Zucht ein hohes Niveau. Ehrenmitglied wurde Adolf Brauchle im Jahr 2007. Begeistert registrierten wir ein Jahr später zur HSS in Nürnberg seine hervorragenden Rotfahlen. Auch die Blauen, die er immer noch als Kern-Linie bezeichnete, hatten bis zu seinem Tod hervorragende Rassemerkmale. Überraschend verstarb Adolf Brauchle 2011 im Alter von 75 Jahren.

Albrecht Schöne war die überragende Züchterpersönlichkeit im Osten Deutschlands. Seit Anfang der 60-er Jahre konnte er die ersten Franzosen erwerben und stellte schnell Verbindungen zu Gerhard Birner und Udo Grossek her. Im Rahmen von Zuchttieraustauschen war es möglich, mehrmals von den genannten Züchtern Tiere zu erhalten. Ab 1966 gehörte Albrecht Schöne zu den ständigen Ausstellern der großen Schauen in der DDR. Er beflügelte den Anschluss der Franzosenzüchter an die SZG der Brünner Kröpfer und er war der 2. Vorsitzende nach eigenständiger SZG-Gründung.  Hochverdient wurde Albrecht Schöne 2004 mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt.  Zahlreiche Züchter begannen die Franzosenzucht mit Tieren von Albrecht Schöne. In den letzten Jahren war krankheitsbedingt weder Taubenzucht noch Teilnahme an SV-Aktivitäten möglich. Er verstarb, zuletzt auf den Rollstuhl angewiesen, 2015 im Alter von 78 Jahren.

Gerhard Birnerschon seit 1956 Mitglied des SV, übernahm 1970 den 1.Vorsitz von Jakob Kern, der wegen beruflicher Belastungen das Amt in junge Hände legte. Die künstlerische Begabung und seine schriftstellerischen Aktivitäten konnte er geschickt mit dem Amt verbinden. Sein Musterbild ist die eigentliche Richtschnur für die Züchter des Sondervereins und seine Berichte in der Fachpresse beispielgebend für gut gemachte Rassebeiträge. Die Zuchterfolge waren herausragend sowohl mit Roten als auch mit Schwarzen. Gerhard Birner bekleidete 25 Jahre den Ehrenvorsitz und war immer Vorbild und moralische Instanz. Seine zahlreichen gefertigten Ehrenpreise und Holzskulpturen erinnern in vielen Züchterstuben an sein unvergessenes Wirken. Sein Tod 2018 ist ein großer Verlust für den SV.

Udo Grossek trat 1956 in den SV ein und wurde einer der bedeutendsten Züchter und Werber für Französische Kröpfer. Als Sonderrichter für viele Kröpferrassen und als VDT-Zuchtausschuss-Mitglied hat Udo Grossek in jährlichen Schauberichten und in Rassebeiträgen viel zum Verständnis der Rassebesonderheiten der Französischen Kröpfer beigetragen. Als überragender Züchter gelang ihm 1996 die Erringung des Goldenen Siegerrings mit seinen Weißen. Viele Jahre war Udo Grossek mit Roten und Gelben erfolgreich. Nach 63 Jahren SV-Mitgliedschaft musste Udo  2019 seine letzten Tiere gesundheitsbedingt abgeben. Seit Langem ist er Ehrenmitglied unseres SV.

Klaus Cleres ist der erfolgreichste Züchter der letzten 30 Jahre. Jung in den SV eingetreten, kannte er noch all die großen Züchter der Nachkriegszeit. Schon in den 60-er Jahren reihte sich Klaus Cleres in die Reihen der erfolgreichen Züchter mit Roten, Blaufahlen und Gelbfahlen. Überragend waren zuletzt seine Gelben. Viele Jahre war er Vorstandsmitglied und führte die Kassengeschäfte über 25 Jahre. Zeitweise übernahm er auch das Amt des Zuchtwarts. Seine überragende Zucht konnte zu großen Teilen an aktive Züchter abgegeben werden, als Klaus altersbedingt die Zucht aufgab. Er ist Ehrenmitglied unseres Sondervereins.